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Leben im Alter –
Ausblick auf das Jahr 2030

Interview mit Renate Körber,
Sozialdezernentin des Neckar-Odenwald-Kreises

Awo Profil 2 I 2017

 

AWO Profil: Frau Körber, Sie haben einen Fachbeirat ins Leben gerufen, der über die Situation der Senioren im Neckar-Odenwald-Kreis berät und Handlungsempfehlungen abgibt. Welche ersten Erkenntnisse haben die Beratungen des Beirats ergeben?

Renate Körber: Unser letzter Seniorenbericht stammt aus dem Jahr 2010, und in den vergangenen sieben Jahren hat sich unglaublich viel entwickelt. Denken wir nur an den gesetzlich geforderten Abbau von Zweibettzimmern in den Pflegeeinrichtungen. Gleichzeitig kennen wir die demografische Entwicklung und müssen uns die Frage stellen: Wo stehen wir mit Bedarf und Angebot im Jahr 2030? Bisher waren wir im Neckar-Odenwald-Kreis in der glücklichen Lage, bei den stationären Pflegeplätzen Nummer eins in Baden-Württemberg zu sein. 

Erkenntnis:
Mangel an Pflegeplätzen  

Renate Körber: Die erstaunliche Erkenntnis, die sich jetzt schon abzeichnet: Wir werden bis 2030 eine Trendwende vom Überfluss zum Bedarf an Pflegeplätzen erleben.
Laut erster Schätzung werden wir einen Mangel von über 500 Plätzen in der stationären Pflege haben. Allerdings haben wir hier die Sondersituation, dass wegen unseres guten Pflegeplatzangebots und eher günstigen Preisen viele Menschen aus angrenzenden Landkreisen zu uns kommen. Wenn alle Landkreise ihren Versorgungsauftrag wahrnehmen würden, reichten die Kapazitäten ja möglicherweise bei uns noch aus. Wir werden Gespräche mit den Landkreisen führen, aber niemanden bitten, das Pflegeheim zu wechseln, auch nicht wegen finanzieller Bedürftigkeit.

Erkenntnis:
Fachkräftemangel

AWO Profil: Im Bereich der pflegerischen und gesund-heitlichen Versorgung wird ein erheblicher Fachkräfte-bedarf auf alle Einrichtungen zukommen.

Renate Körber: Ja, das ist eine weitere Erkenntnis unserer Beratungen: Der Fachkräftemangel zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche der Altenpflege. Wir müssen mit vereinten Kräften an der Attraktivität und Wert schätzung der Pflege arbeiten, denn diese Dienstleistung ist unersetzbar.

Wir haben genügend Schulplätze für die Alten- und Krankenpflege, das Problem ist jedoch, dass diese Plätze nicht mit geeigneten Bewerbern besetzt werden können. Handlungsansätze sind eine angemessene Bezahlung, wobei die Bezahlung nach Tarif attraktiver ist als in manchen anderen Berufszweigen. Es geht außerdem um flexible Arbeitszeitmodelle, da häufig Familienmütter in der Altenpflege tätig sind und frühe bzw. späte Arbeitszeiten anfallen. Wenn wir in den Köpfen der Menschen die Einsicht erreichen, dass es für die wichtigen Pflegeaufgaben viele Frauen und Männer braucht, haben wir viel bewegt.

Entwicklung der Sozialleistungen

AWO Profil: Der Landkreis gewährt Sozialleistungen wie Grundsicherung im Alter und Hilfe zur Pflege. Gibt es bei uns besonders viele arme und kranke Senioren?

Renate Körber: Die Antwort ist nein, es gibt nicht besonders viele arme und kranke Senioren im NOK. Die genannten Sozialleistungen liegen unter dem Landesdurchschnitt. Bei der Grundsicherung im Alter haben wir im Landkreis eine Empfängerquote von 0,85 % (bundesweit 1,25 %), und zwar überwiegend wegen Erwerbsminderung.
Das erklärt sich ein Stück weit mit der großen Behinderteneinrichtung im Landkreis, deren Bewohner und Werkstattbesucher alle grundsicherungsberechtigt sind.

 

Ein weiterer Indikator für Armut ist die so genannte Mindestsicherung mit Sozialleistungen wie Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung, Arbeitslosengeld II und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Mit einer Mindestsicherungsquote im NOK von 5,2% (Baden-Württemberg 6,0%, bundesweit 9,7%) könnte man nun schließen, dass die Bevölkerung im NOK seltener in Armut lebt als landes- und bundesweit. Es könnte aber auch sein, dass seltener Sozialleistungen beantragt werden. Hierzu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Die Eigenleistung beim Aufenthalt im Pflegeheim ist allerdings gestiegen, während die Leistungen der Pflege-kassen auf Fixbeträge gedeckelt wurden. Oft bestreiten die pflegebedürftigen Senioren den Eigenanteil zunächst mit ihrem Ersparten, irgendwann ist das eigene Vermögen aber aufgebraucht. Der Zeitpunkt, die Einkünfte der

Senioren aufzustocken, kommt für den Landkreis immer früher. Diese Leistungen werden vom Sozialetat des Landkreises getragen und über die Kreisumlage von allen Gemeinden finanziert. Diese Entwicklung steigender Sozialleistungen sehen wir mit Sorge, zumal der Sozialetat schon jetzt mehr als die Hälfte des Kreishaushalts beträgt.


Mehr ambulante Pflege

Renate Körber: Wenn man die Anzahl der Pflegebedürftigen im NOK betrachtet, dann liegen nach der Pflegestatistik 2015 die Empfänger des Pflegegeldes tatsächlich deutlich über dem Landesschnitt. Das spricht dafür, dass die Leistungen der Pflegekassen für häusliche Pflege bei uns sehr gerne in Anspruch genommen werden.

Dafür sind wir bei den Heimunterbringungen im Landes-vergleich eher niedrig. Auch bei der Hilfe zur Pflege haben wir im Vergleich zu anderen Landkreisen eine eher geringe

Inanspruchnahme. Es spricht vieles dafür, dass im NOK die Menschen, solange es irgendwie geht, in ihrer häus-lichen Umgebung wohnen bleiben. Das liegt vielleicht auch daran, dass vergleichsweise viele Senioren ein eigenes Häuschen haben und daher erst ins Pflegeheim gehen, wenn es wirklich keine andere Lösung mehr gibt. Außerdem werden pflegebedürftige Patienten auf dem Land häufiger von Angehörigen unterstützt –
sowohl in der häuslichen Pflege als auch finanziell.

 
Beratungen zur Pflege

AWO Profil: Für pflegebedürftige Patienten sind Beratungen wichtig, um den passenden Weg gehen zu können. Welche Aufgaben übernehmen in diesem Zusammenhang die beiden angekündigten Pflegestützpunkte im NOK?


Renate Körber: Bis Ende 2018 soll der erste Pflegestützpunkt in Buchen eingerichtet werden und erst im Anschluss die weitere Beratungsstelle in Mosbach. Hierzu muss erst noch eine gemeinsame Konzeption mit den Kranken- und Pflegekassen erarbeitet werden. Das Beratungsangebot dieser Pflegestützpunkte umfasst die Beratung bei Fragen zu ambulanten Betreuungs- und  Pflegeleistungen und stationären Hilfsangeboten.

Die Berater klären über Leistungen der Pflegeversicherung und Eigenleistungen auf. Sie geben Informationen zu  Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige und, wenn erforderlich, zum Betreuungsrecht. Darüber hinaus unterstützt seit vielen Jahren die Altenhilfefachberatung mit Frau Baumgartner-Kniel Betroffene und Angehörige in allen Fragen zur Pflege. Im Jahr 2016 waren das 122 allgemeine Beratungen, 24 Wohnberatungen und 288  Stellungnahmen zur Versorgungssituation. Informationen über Einrichtungen und Beratungsleistungen im NOK stehen außerdem im aktuell überarbeiteten Senioren-wegweiser, der auch online auf unserer Internetseite  www.neckar-odenwald-kreis.de einsehbar ist.

 
Was ist gute Pflege?

 AWO Profil: Unsere wichtige Abschlussfrage:  Was macht für Sie eine gute Pflege aus? 

Renate Körber: Die Heimaufsicht des Landkreises begeht ja regelmäßig die Pflegeeinrichtungen, um die Einhaltung der gesetzlichen Standards zu überprüfen. In den Bereichen der Privatwohnungen und Seniorenwohnanlagen können wir nicht tätig werden, das ist gesetzlich nicht vorgesehen.

Wir erleben meist eine sehr engagierte Pflege in den  Einrichtungen, auch von Angehörigen und Ehrenamtlichen, die hier mithelfen. Die Grauzone sehe ich dort, wo „satt und sauber" endet und der Bereich der sozialen Teilhabe und altersgerechten Beschäftigung beginnt. Mehr Zeit  für Gespräche, Spaziergänge und Ähnliches wäre  mancherorts wünschenswert. 




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